Stevens 720L - felsige Übergangszone

Das Becken existiert so nicht mehr. Weder die Einrichtung, noch die Technik!

Einleitung:

Da ich in letzter Zeit öfter nach Infos zu meinem aktuellen Becken gefragt wurde, habe ich das als Anlass genommen, mal das "alte Beispiel" zu überarbeiten und möchte dies nun mit der Community teilen. 

Hier wird von "felsiger Übergangszone" gesprochen und NonMbuna & Mbuna gepflegt. Man könnte meinen, dass das alles irgendwie nicht wirklich zusammen passt. Dennoch habe ich mir bei der gesamten Gestaltung und dem Besatz etwas gedacht. 

Die von mir gepflegten Arten sind alle in der eher felsigeren Region anzutreffen. Von einer reinen Felszone ist hier aber noch nicht zu sprechen. Die Aussage ist natürlich nicht für alle Arten der jeweiligen Gattungen zutreffend. Somit möchte ich hier nicht den Anschein erwecken, dass Aulonocara generell eher felsig leben (Der jacobfreibergi-Komplex schon...). Die einzelnen Lebensräume sind bei uns im Artenverzeichnis zu finden.

Mbuna und NonMbuna gemischt? Ja auch das geht - Sofern man einige Punkte beachtet. Auch bei diesem Thema gilt "KEINE PAUSCHALISIERUNG!" Dazu kann ich euch den Beitrag "Vergesellschaftung - Mbuna mit NonMbuna" von Rebecca Tieseler ans Herz legen.

Ich versuche, die Lebensräume in meinen Aquarien so realistisch und sinnvoll, wie mir nur Möglich nachzustellen. Dennoch möchte ich auch direkt klar stellen, dass dies nicht immer der richtige, oder beste Weg ist. Viele Wege führen nach Rom!

 

Nun aber zur eigentlichen Beckenvorstellung:

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Läuft seit:

8.7.2015 (Einige kleinere und auch größere Umbauten haben in den letzten 2 Jahren stattgefunden). So, wie auf dem Bild (oben) steht das Becken seit September 2016.

 

Größe:

200x60x60 cm = 720 Liter

 

Grundinformationen zum Aquarium:

Ich habe das Becken von der Firma Aquariumbau Ennigerloh vor Ort, direkt auf dem Unterschrank kleben zu lassen.

Bevor Ennigerloh das Aquarium geklebt hat, habe ich die Rückscheibe, sowie beide Seitenscheiben mit matt schwarzer D-C-Fix Folie foliert. Zum einen erzeugt dies eine schöne (optische) Tiefe. Zum anderen kommen Schattenzonen sehr gut zur Geltung. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Tiere wirklich nur durch die Frontscheibe schauen können und sich im Aquarium geschützter fühlen, als wenn von 2-3 Seiten ins Aquarium geschaut werden kann. Jede Bewegung könnte also Stress für die Tiere bedeuten.

Als Unterschrank dient ein Stahlgestellt, welches komplett mit Holz verkleidet ist (4 Türen) und ebenfalls mit d-c-fix Folie foliert wurde (Buche & grau). Im Schrank ist genügend Stauraum für die Technik und Zubehör.
Die Abdeckung wurde ebenfalls im Buchedesign gewählt.

 

Bodengrund:

Ich musste leider nach ca. einem Jahr meinen alten Flusssand, gemischt mit schwarzen Farbsand austauschen, da ich massive Probleme mit glitzernden Schwebeteilchen bekommen habe. Das Problem war nicht nur ein optischer Mängel, sondern auch ein körperlicher Akt für die Tiere. Die Tiere haben sich inzwischen so stark gescheuert, dass die Algenpatina an den Steinen schon richtig "abgekratzt" wurde.

Also wurde kurzerhand der Sand komplett ausgetauscht. Zum Einsatz kamen nun ca. 50kg Schicker-Mineral Sand in beige (Natur) mit 0,4-0,8mm Körnung.

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Sowie Kies in verschiedenen Körnungen (von 2-16mm) und größere (bis 15cm) Kiesel.

Die größeren Kiesel wurden teils strategisch auf dem Boden angeordnet. 
Teilweise entstehen so kleine Bereiche, die als Balzplatz genutzt werden können bzw. um Reviere optisch zu markieren. 

Dennoch durfte es nicht künstlich aussehen. Ich denke, ein "natürlicher" Bodengrund wurde somit geschaffen, welcher den Gegebenheiten vor Ort im Malawisee schon recht nah kommen.

 

Aquarienpflanzen:

Die von mir gepflegten Arten kennen in ihrer natürlichen Umgebung keine Pflanzen. Aus diesem Grund wurde auf Pflanzen in diesem Becken verzichtet.

Algen sind natürlich erwünscht und wachsen inzwischen auch fleißig. Auf meine schöne dicke Kieselalgenpatina bin ich inzwischen wirklich stolz!

Weitere Einrichtung:

Auf den Bildern ist die neue Einrichtung nach dem Umbau zu sehen. 

Zur Gestaltung kamen in dem Becken Riverstones und Module der Firma RockZolid zum Einsatz, um eine recht felsige Übergangszone zu erzeugen.
Die Gestaltung wurde in erster Linie dem Besatz angepasst, welcher zum größten Teil in der felsigeren Übergangszone lebt. Dennoch wurden "genügend" freie Sandflächen erhalten. Die Höhlen sind auch alle mit Sandigem Untergrund.

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Um zusätzlich zur schwarzen Rückwand noch ein wenig extra Tiefe zu suggerieren, wurden Module von Rockzolid an der Rückwand angebracht.

Desweiteren wurde bewusst viel Wert auf große Felsbrocken gelegt, um Reviere und entsprechenden Sichtschutz zum nächsten Revier zu schaffen. Dennoch bietet die Gestaltung genügend freien Schwimmraum.

Da ich einige Arten pflege, die sich gerne in Höhlen zurück ziehen, wurde bei den Modulen darauf geachtet, dass diese durch-/hinter-/unterschwimmbar sind. Bei der richtigen Gestaltung sind die meisten Höhlen für den Betrachter unsichtbar, was den Tieren sehr entgegen kommt, da sie sich hier perfekt zurück ziehen können, wenn sie möchten.
Kleiner Tipp: Die Module schräg in den Sand stellen. So können die hohlen Module als Höhlen genutzt werden.

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Wie auf den Bilder zu sehen ist, wurde mit der Einrichtung im Zusammenspiel mit dem Licht ebenso viel Wert auf Schattenzonen gelegt.

Die Module wurden mit schraubbaren Saugnäpfen befestigt, um bei einer eventuellen Umgestaltung flexibel zu sein.

 

Beleuchtung:

Lichtquellen:

2x Daytime Cluster Control 20.1 UBRW
1x Lumlight 375mm (2x kaltweiß RGB)


Anordnung der Lichtquellen:

Links und rechts strahlt jeweils ein 20.1 Cluster. Ergänzt durch die Lumlight, die auf der Mittelstrebe liegt und die Rückwand der Abdeckung anstrahlt, damit sie nur Streulicht ins Becken abgibt. Somit ist der mittlere Beckenteil nicht direkt beleuchtet.


Steuerung der Lichtquellen:

- GHL Profilux PLUS 2
- 2x LEDControl4 v2 (driver)
Somit sind Spielereien, wie Wolkenflug, Gewitter und Regentage möglich. 


Gewitter und Regentage? Aber bitte nicht "gewöhnlich"!
Mit dem Profilux plus2 lässt sich natürlich "Wettergott" spielen. Somit sind Szenarien, wie Gewitter natürlich schnell simuliert.
Aber wie oft kommt es vor, dass es trocken gewittert? Genau... Normalerweise regnet es während eines Gewitters.
Genau dieses "ausgedehnte" Szenario wollte ich nachstellen, da die Tiere Gewitter aus ihrem natürlichem Lebensraum auch mit Regen kennen. Also wurde kurzerhand eine kleine Eheim-Förderpumpe unsichtbar im Becken angebracht und mit einem Schlauch versehen, der in der Abdeckung platziert wurde. In den Schlauch habe ich kleine Löcher gebohrt, damit daraus hinterher der "Regen" laufen kann.
In der Software für den Profilux lässt sich nun über eine Programmierbare Logik einstellen, dass ein bestimmter Port an der Steckdose zu bestimmten Zeiten angehen soll. Somit regnet es nun während eines Gewitters im Becken.

Außerdem gibt es an Regentagen immer mal wieder Regenschauer. 
Den Fischen scheint der kurze Sauerstoff anstieg durch den Regen regelrecht zu gefallen. Somit erhoffe ich mir, das natürliche Biotop der Tiere noch näher nachzustellen. 

Anmerkung:
Gewitter und Regen ist natürlich absolut nicht nötig! Schaden wird es den Tieren aber auf keinen Fall. 
Optisch lässt sich der Regen sicher noch besser darstellen. Aktuell erfüllt er "nur" seinen Zweck. 

Hier das Video:

Die Regensimulation wurde inzwischen entfernt. Sie störte einfach beim hantieren über dem Becken. Mit der Zeit kommt eventuell eine neue Simulation mit etwas ausgereifterer Technik. Diese Info dient hier nur noch, um zu zeigen, was überhaupt alles möglich wäre!

 

Natürliche Lichtfarben unter Wasser:

Um dem natürlichem Licht unter Wasser entgegen zu kommen, wurde gänzlich auf den Farbton "rot" verzichtet. Denn mein Besatz lebt ab 10m Tiefe im See. Da ab 10m Tiefe das rote Licht komplett absorbiert ist, sah ich keinen Sinn, die roten LEDs in der Lampen zu steuern.

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Filtertechnik:

Gefiltert wird (noch) mit 2 Außenfiltern.


Eheim Prof3 600 (2075)
Pumpenleistung(50 Hz) pro Stunde von ca. 1.250,00 l
Förderhöhe ca. (H max bei 50 Hz) 1,80 m
Leistungsaufnahme(50 Hz) von 16 Watt
Filtervolumen 6,00 l
Vorfiltervolumen 0,50 l
Behältervolumen 9,20 l
Breite 238,00 mm
Höhe 453,00 mm
Tiefe 244,00 mm
Spannung 230 Volt

und 

JBL e1501
20 W Stromverbrauch 
1400 l/h Pumpenleistung
12 l Filtervolumen.
Maße: 200 x 235 x 475 mm inkl. Schlauchanschluss

Um eine perfekte Filterung zu gewährleisten, wurde je ein Filter links und ein Filter rechts installiert.

Die Filter sind mit Siporax und Filterschwamm (PPI30) bestückt.

 

Weitere Technik:

Aquariumcomputer:

- GHL Profilux PLUS 2
- 2x LEDControl4 v2 (driver)
- 2x GHL Steckdosenleiste STDL4-4-D
- Temperatursonde

Hydor Koralia 4500L/H:

Mit der Strömungspumpe wird eine entsprechende Oberflächenbewegung erzeugt. Außerdem unterstützt sie die Filter bei der Beseitigung von groben Schmutz (Schmutzpartikel werden so schneller zum Ansauger vom Filter transportiert).

Temperatursteuerung:

Die Temperatursteuerung übernimmt mein GHL Profilux PLUS2 im Zusammenspiel mit einer 4er GHL Steckdose und einem Temperatursensor am Profilux.
Außerdem ist eine Nachtabsenkung von 1°C der Temperatur programmiert.

Geheizt wird mit einem Jäger Heizstab mit 300W von Eheim, der wie oben beschrieben über den PL gesteuert wird.

Besatz:

1/ 2 Aulonocara jacobfreibergi Undo reef "mamelela" F1
Eine meiner Lieblingsarten. Eine Nachzucht von dem schönsten WF mamelela, den ich je gesehen habe.

Aulonocara jacobfreibergi undu reef 1

3/6 Copadichromis sp. "blue face" (Kawanga)
Einer der schönsten Copadichromis überhaupt. Diese Art als Gruppe zu pflegen war eine SEHR gute Entscheidung!

Copadichromis sp. blue face kawanga 1

1/ 2 Protomelas fenestratus chewere WF 
Wie ich finde, eine absolute Besonderheit!

Protomelas fenestratus chewere 4

2/2 Labidochromis sp. perlmutt 
Eine der wenigen Mbuna-Arten, die man problemlos zusammen mit Non-Mbuna halten kann.

Labidochromis sp perlmutt 2

1/3 Labidochromis caeruleus yellow (Kakusa)

Labidochromis caeruleus yellow kakusa

0/0/6 Sciaenochromis ahli (REAL ahli - NICHT fryeri!)
Noch sind sie klein mit ca. 7-9cm. Ich tippe das Geschlechterverhältnis auf 2/4
 
Sciaenochromis ahli 6

0/0/2 Synodontis njassae
Der einzige Wels aus dem Malawisee, den man problemlos im Aquarium halten kann.
 
Synodontis njassae 9

 
Anmerkung:

Die Haltung von 2 Labidochromis Arten birgt IMMER die Gefahr von Hybriden. Mögliche Hybriden werden von den Sciaenochromis ahli gefressen. Sollte wieder-erwartend doch ein Hybrid durchkommen, so habe ich freudige Abnehmer in Form von "Potamonautes lirrangensis" - Selbstverständlich NICHT im selben Aquarium!

 

Wasserwerte:

Um die Wasserwerte konstant zu halten, steht jedes Wochenende ein Teilwasserwechsel von 40-60% an. 

PH: 8,2
KH: 3
NO2: 0
NO3: 20-25 aus der Leitung (Auch das ist ein Grund mit regelmäßigen Wasserwechseln zu arbeiten)



Temperatur:

Im Sommer ist die Temperatur nur über gute Belüftung und Raumtemperatur zu regeln. Unterstützend wird die Abdeckung geöffnet. Durch die starke Oberflächenbewegung konnte ich die Temperatur bei einem Maximalwert von 26,7 halten (An extrem heißen Tagen).
Sollten die äußerlichen Temperaturen es ermöglichen (keine extrem heißen Tage), liegt die Temperatur im Becken bei 24.5°C mit einer Nachtabsenkung von max 1°C grad.

 

Futter:

Die Fütterung... Ein heikles Thema in der Aquaristik...Ich habe ehrlich gesagt lange gebraucht, bis ich den "perfekten" Weg gefunden habe. Inzwischen füttere ich teilweise mehrmals täglich kleinere Mengen. Dies stammt einfach aus der Überlegung heraus, da die Tiere im See den ganzen Tag auf Futtersuche sind und somit auch eigentlich den ganzen Tag etwas zum verdauen haben - wenn auch kleine Mengen. Das ist natürlich nicht komplett nachzustellen, da herkömmliches Flockenfutter viel zu gehaltreich an Proteinen wäre. 

Somit bekommt mein Besatz 1-3 Mal täglich Sera Flora Flockenfutter. Dieses Futter ist eigentlich für Mbuna gedacht. Dennoch habe ich heraus gefunden, dass meine Tiere mit diesem Futter sehr gut klar kommen, wenn es mehrmals täglich gefüttert wird - An Tagen, an denen weniger gefüttert wird, mische ich Söll Power Flakes mit dazu. Söll Power Flakes enthalten sehr viel tierische Proteine. Aus diesem Grund ist die generelle Fütterung mit 30-40/60-70 (Söll/Sera) anzusehen
Selbstverständlich gibt es auch Fastentage in der Woche. Je nach belieben mal 1-2 Tage die Woche. Trotzdem wird darauf geachtet, dass die Tiere weder zu dünn, noch zu dick werden.

Zusätzlich gibt es 2-3x im Monat JBL-Plankton Pur. Dieses Futter dient als "Protein-Bombe" zusammen mit Söll Power Flakes. Eine dauerhafte Fütterung mit dem Plankton + Power Flaes ist zumindest für meinen Besatz NICHT zu empfehlen

 

Futtersorten:

Sera Flora
SÖLL Power Flakes
JBL-Plankton Pur

Außerdem gibt es je nach Paarungsbereitschaft auch lebende Jungtiere aus dem aktuellen Bestand :)

Auf Frost oder Lebendfutter (abgesehen von eigenen Jungtieren) wird inzwischen verzichtet.
 
 
 
 
Beitrag: Steven Sasin
Bilder: Steven Sasin
Videos: Steven Sasin