Die Generationssysteme

Im folgenden Beitrag möchten wir euch erklären, was "F1", "WFNZ", "DNZ", "SNZ" und co. bedeutet.

Vorweg möchten wir erwähnen, dass dies ein sehr undurchsichtiges Thema ist, da es inzwischen mehrere Systeme gibt, welche benutzt werden. 

Leider gibt es kein festes System, welches weltweit ausschließlich für die artenreine Fischzucht verwendet wird. Dies führt letzendlich zur Verwirrung. Diese Verwirrung werden wir im Beitrag erklären und am Ende ein Résumé ziehen.

Es gibt inzwischen 2 verschiedene Systeme, welche ausschließlich in Deutschland angewendet werden. Hinzu kommt eine dritte internationale Kennzeichnung, welche aber von keinem wissenschaftlichem Hintergrund gestützt wird (dies ist aber vermutlich die wichtigste für die Halter). Dieses internationale System ist eine Abwandlung, des in Deutschland verwendetem "Filialgenerations-System" nach Mendelscher Regel. Wir reden hier weiterhin nur von der Fischzucht (extra gekennzeichnete Beispiele ausgenommen)!

Die Abkürzung "SNZ" möchten wir euch vorab beschreiben, da diese Benennung nicht zu folgenden Generationssystemen gehört.

SNZ steht für "Seenachzuchten". Tiere, welche als SNZ gekennzeichnet sind, beschreiben Nachwuchs von Tieren, welche in Teichen gezüchtet wurden. Dabei muss es sich nicht zwingend um Teiche neben dem jeweiligen Heimatgewässer handeln. Es gibt zwar in Malawi selber auch solche Teiche, allerdings kommen SNZ von Malawiseebuntbarschen auch aus Tanzania, oder Burundi. Viel interessanter jedoch ist, dass SNZ auch aus anderen Ländern, wie z.B. den USA kommen können. In Kalifornien gab es lange Zeit solche Teiche, in denen Malawis gezüchtet wurden und den Weg als SNZ in den Handel gefunden haben. 

 Copadichromis borleyi (Namalenje)Copadichromis borleyi (Namalenje)

Innerhalb Deutschland:

"Filialgeneration" (nach Mendel) F1, F2, F3 usw. - FISCHZUCHT:

Dieses System zielt in erster Linie auf Blutlinien Verpaarungen (gleiche und unterschiedliche Blutlinien - Geschwister - keine Geschwister). Ein Bezug zum Wildblut (Wildform/Wildfang) ist NICHT Teil des Systems! (Genetik)

1. Tochtergeneration:
Dieses Generationssystem nach "Mendelscher Regel" besagt, dass die Verpaarung zweier blutfremder Tiere eine erste "Tochtergeneration" ergibt. Hier spricht man nun von "F1".
 
2. Tochtergeneration:
Verpaart man nun "F1" Tiere gleicher Blutlinie (Geschwister), so erhält man die zweite "Tochtergeneration". Hier spricht man nun von "F2".
 
3. Tochtergeneration:
Verpaar man nun "F2" Tiere gleicher Blutlinie (Geschwister), so erhält man die dritte "Tochtergeneration". Hier spricht man nun von "F3".

usw. usw...

Anmerkung: Um die 1. Tochtergeneration (F1) zu erhalten, würde es nun ausreichen, z.B. F2 und F3 Tiere einer blutfremden Linie zu kreuzen. Bei den Elterntieren muss es sich nicht zwingend um Wildfänge (WF) handeln.

Natürlich ergeben Wildfangverpaarungen (WF + WF, oder WF + F1) ebenfalls F1 Tiere. Aber nicht jedes F1 Tier muss zwingend wilde Eltern haben.

Ebenfalls KÖNNEN laut Mendelschem Gesetz auch artfremde Verpaarungen (Kreuzungen) zu F1 Tieren führen. Somit wäre es theoretisch möglich F1 Hybriden zu "erzeugen". Glücklicherweise ist dies in der Fischzucht (zumindest im Malawibereich) nicht verbreitet. Solche Kreuzungen werden und sollten weiterhin als "Hybrid" oder "Kreuzung" gekennzeichnet werden!

In der Katzenzucht wird dieses System gerne verwendet. Als Beispiel nennen wir die Savannah-Katze. Diese Katzenrasse ist ein Hybrid (Kreuzung) des Servals und der Hauskatze. Bei der Verpaarung des Servals und der Hauskatze, werden die Nachkommen als F1 betitelt. Verpaart man F1 Tiere, erhält man F2 Kitten usw. Im weiteren Verlauf wird das F-System bei der Katzenrasse dann ausgebaut und mit weitern Zusatzbuchstaben gekennzeichnet (Dies bezieht sich z.B. auf Rückkreuzungen).

Deutsches WF, WFNZ, NZ System (nicht international):

Dieses System zielt nicht in erster Linie auf blutfremde Tiere, sondern eher um den Bezug zum Wildblut (Wildfängen).

Anhand einer kurzen Auflistung lässt sich das "rein deutsche" System gut beschreiben:

WF = Wildfang (Im See (Wildnis) geboren)
WFNZ = Wildfangnachzucht (Eltern sind Wildfänge)
NZ = Nachzuchten von Wildfangnachzuchten (Eltern sind Wildfangnachzuchten)
DNZ = deutsche Nachzuchten unbestimmter (weiterer) Generationen

Kleine "Schwäche" in diesem System: Tiere ab der 3. Generation werden nicht mehr eindeutig "benannt". Ob dies notwendig ist, sei dahin gestellt.

Die meisten Aquarianer interessieren sich für den Bezug zum Wildblut, da man wissen möchte, die wie vielte Generation man nach der Wildform besitzt. 

labidochromis freibergi
Labidochromis freibergi

Internationales F-System außerhalb Deutschlands (nicht nach Mendelscher Regel!):

Dieses System wird im "Ausland" unter Aquarianern verwendet und hat sich zum Großteil auch in Deutschland durchgesetzt. Allerdings wird in Deutschland auch noch das F-System nach Mendelscher Regel angewandt, was zu enormer Verwirrung führen kann!

Das internationale F-System bezieht sich rein auf den Anteil des Wildblutes! Dieses System ist gleichzustellen mit dem WFNZ, NZ, DNZ System aus Deutschland. Mit dem "Vorteil", dass auch Tiere in der 5. Generation noch bestimmt werden. Ob das notwendig ist, sei dahin gestellt.

F0 oder WF/WC = Wildfang
F1 = Nachzuchten von F0 Tieren. (Dies könnte F0 + F0, oder auch F0 + F1 sein)
F2 = Nachzuchten von F1 Tieren
F3 = Nachzuchten von F2 Tieren
F4 = Nachzuchten von F3 Tieren
usw...
Tropheops sp. "membe"
Tropheops sp. "membe" 

Unser Résumé:

Dadurch, dass das "F-System" unterschiedlich in der Fischzucht interpretiert wird (nach Mendelscher Regel und nach Wildblutbezug), ist es teilweise echt verwirrend, da man letzendlich nicht weiß, was man da kauft! Hier hilft es natürlich, wenn der Händler weiß, was er verkauft und dem Kunden dies erklären kann, wenn gewünscht!

Selbst innerhalb Deutschlands ist das Ganze nicht wirklich durchschaubar, da beide F-Systeme benutzt werden. Daher verwenden einige Händler die Begriffe "WFNZ", "NZ" und "DNZ". Somit ist zumindest Käufern aus dem deutschsprachigem Raum klar, was sie kaufen - Dieses System kennt man im Ausland aber leider nicht.

Im nicht deutschsprachigem Raum wird bei einem F1 Tier erwartet, dass es sich bei den Elterntieren um Wildfänge, oder F0+F1 handelt!

Wir bei Malawi-Germany gehen mit dem deutschem "WFNZ, NZ, DNZ System", sowie dem internationalem F-System konform. In unseren Augen sagt das F-System nach Mendelscher Regel nicht aus, was wir wissen möchten. Wir möchten den Bezug, bzw. die Nähe zur Wildform/Wildblut/Wildfang wissen. Der Bezug zur Genetik ist zwar interessant, aber nur für die wenigstens von Bedeutung.

Natürlich ist das F-System nach Mendelscher Regel (Genetik) NICHT falsch! Dies möchten wir an dieser Stelle nur einmal klar ausdrücken!

Sprechen wir also von F1 Tieren, setzen wir das gleich mit WFNZ-Tieren!

Dementsprechend gilt für uns:
F0 oder WF/WC = Wildfang
F1 oder WFNZ = Nachzuchten von F0 Tieren. (Dies könnte F0 + F0, oder auch F0 + F1 sein)
F2 oder NZ = Nachzuchten von F1 Tieren
F3 = Nachzuchten von F2 Tieren
F4 = Nachzuchten von F3 Tieren
usw...
DNZ = Nachzuchten von F2, F3, F4, F5, F6, usw...
 
Beachtet aber bitte, dass nicht jeder eine solche Bezeichnung bevorzugt ;)
Auch die andere Bezeichnungen sind KEIN Betrug!
 

In letzter Zeit fällt vermehrt auf, dass Tiere von der mosambikanischen Seite des Malawisees als F1 verkauft werden. Wir möchten KEINEM Händler hier etwas unterstellen, aber gehen stark davon aus, dass die F1 Kennzeichnung bei diesen Tieren nach Mendelschem Gesetz erfolgt ist und somit "nur" die Genetik beschreibt (Blutlinie). Diese F-Bezeichnung beschreibt mit großer Wahrscheinlichkeit NICHT den Bezug zu wilden Eltern. Wilde Tiere aus Mosambik sind EXTREM selten. In solchen Fällen empfiehlt es sich, mit dem Händler zu sprechen, was man da nun bekommt. Sofern es denn interessiert ;)

Author: Steven Sasin
-> Informationen: gesamtes Malawi-Germany Team
Bilder: Birger Lessow (Barschkeller), Raphael Mbuna